POLNISCHE WEHNACHTEN
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Wer von uns Polen, im Ausland oder in der Heimat könnte sich Weihnachten ohne das traditionelle Abendessen am Heiligen Abend vorstellen? Eine Tradition aus der Zeit des frühen Christentums, die zu einer polnischen Tradition wurde. Diesen erhabenen und zugleich berührenden Abend verbringen wir zumeist im Kreise unserer Liebsten in der Erwartung der Geburt des Christkindes.
Der polnische Name des Heiligen Abends "wigilia" stammt vom lateinischen Wort vigilare, wachen, er ist seit langer Zeit üblich und symbolisiert die Zeit des Wachens und Betens vor der Ankunft Christi. Bereits für die ersten Christen war dieses Abendessen am Heiligen Abend ein Symbol für Einheit und Hoffnung. Die polnischen weihnachtlichen Bräuche gehen auf volkstümliche Riten zurück. Christliche und volkstümliche Bräuche verschmelzen zu einer bunten, poesievollen Einheit. Auf dem Land ist es nach wie vor üblich, Getreidegarben in den Ecken der Stube aufzustellen, wo das Essen am Heiligen Abend eingenommen wird. Das Stroh banden die Bauern zu kleinen Garbenbändern, die an Obstbäumen angebracht wurden, um eine bessere Ernte zu erhalten. In der Heiligen Nacht bekamen auch die Haustiere ein Stückchen Oblatenhostie, damit sie gesund bleiben und schöne Nachkommen bekommen. Man glaubte, dass die Tiere um Mitternacht wie Menschen sprechen können, aber es brachte kein Glück, sie dabei zu belauschen. Bis heute legen wir am Heiligen Abend unter das Tischtuch Stroh, zum Gedenken an die Geburt des Jesuskindes. Nach einem alten Brauch sagten die Mädchen, auch in der Stadt, mit Hilfe von Stroh ihre Zukunft voraus. Wenn sie einen noch grünen Strohalm unter dem Tischtuch hervorzogen, war dies ein Zeichen für Glück in der Liebe und eine baldige Heirat. War das Stroh hingegen schwarz - bedeutete das Unglück, das Durchkreuzen von Heiratsplänen und sogar ein Schicksal als alte Jungfer. Diese Voraussagen wurden zwar nicht besonders ernst genommen, aber das Vergnügen an diesem Spiel war sehr groß. An den Tisch setzen wir uns bei Einbruch der Dunkelheit, wenn der erste Stern am Himmel sichtbar wird, nach dem Kinder ungeduldig Ausschau halten. Für unsere Kleinsten ist das einer der schönsten Abende im ganzen Jahr. Plötzlich, im faszinierenden Glanz vielfarbiger Lichter auf dem Weihnachtsbaum, wird die märchenhafte Stimmung wahr und unter dem Baum finden sich Geschenke, die liebende Hände dorthin gelegt haben. An diesem Abend gewinnt auch das bescheidenste Geschenk einen besonderen Wert, es wird zum Ausdruck von Liebe und Freundschaft, die Menschen verbindet. Der schönste altpolnische Brauch - möge er lange erhalten bleiben - war es, einen einsamen Menschen zum Mahl am Heiligen Abend einzuladen. In dieser Nacht sollte nämlich niemand einsam und verlassen sein. Wenn man sich zu Tisch setzte, wurde niemals auf die Abwesenden vergessen. Für sie wurde ein Platz frei gelassen und der Tisch ebenfalls gedeckt. Auf den Teller legte man von jeder Speise ein wenig, auch ein Stück von der Hostie. Vor dem Essen teilt man miteinander eine Oblatenhostie und spricht seine Wünsche dazu. Das ist der ergreifendste Augenblick, wie kein anderer im ganzen Jahr. Viele Erinnerungen steigen auf, aus der Kindheit und Jugend, gepaart mit Wehmut und Gedanken an diejenigen, die für immer gegangen sind, aber auch mit heller Freude und der im Herzen brennenden Hoffnung auf Glück. In diesem erhabenen Augenblick vergeben wir einander alles Böse. Nach dem Abendmahl singen wir Weihnachtslieder. Viele polnische Weihnachtlieder sind sehr alt, sie gehören zu den wertvollsten Denkmälern der volkstümlichen und sakralen Lieder. Für viele Polen, die fern der Heimat leben, waren und sind die Weihnachtslieder stets ein Symbol des Polentums. Frédéric Chopin, selbst ein Emigrant, drückte seine große Sehnsucht nach Polen aus, als er in sein Scherzo h-Moll das zarte Weihnachtslied "Lulaj¿e Jezuniu..", ein Wiegenlied für das Jesuskind, einwob. In der Heiligen Nacht gehen viele in die Weihnachtsmette - ein feierliches Hochamt, das in Erinnerung daran zelebriert wird, dass den Hirten die Engel erschienen sind und im Lichte des Sternes von Bethlehem die frohe Kunde von der Geburt des Jesuskindes überbrachten. Wohin auch immer uns das Schicksal verschlagen hat, in dieser Nacht werden wir zusammen sein ....