| "Alle
Menschen werden Brüder" - die Europahymne, gesungen von den Folkloreensembles
aus Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn gemeinsam, erklang
an diesem sommerlich heißen Samstag, den 7. September zu Mittag auf dem
Heldenplatz in Wien - damit war das große Erntedankfest des Österreichischen
Bauernbundes eröffnet. Der Direktor des Bauernbundes, Herr Dipl.Ing. Josef
Pröll begrüßte die überaus zahlreich erschienenen Gäste als Gastgeber
und übergab dann das Wort an Landwirtschaftsminister Mag. Wilhelm Molterer,
der über die Bedeutung der Landwirtschaft und der Arbeit der Bauern sprach.
Dann wurde dieses ursprünglich rein österreichische Fest international:
aufgrund einer Idee von Dr. Liliana Niesielska wurden Folkloregruppen
aus den EU-Kandidatenländern Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und
Ungarn eingeladen, auf der Hauptbühne ihre wunderschönen Erntdanktraditionen
zu präsentieren. Dieses internationale Programm wurde von Frau Dr. Benita
Ferrero-Waldner eingeleitet, die als Österreichs Außenministerin die Idee
der EU-Erweiterung rationell begründete und gleichzeitig auch leidenschaftlich
vertrat. Damit konnte das sechsstündige "Fünfländerprogramm"
beginnen: moderiert von Liliana Niesielska (in mehreren Sprachen) wirbelte
als erstes das grandiose Ensemble "LUBLIN" aus Lublin, aus Polen
auf die Bühne. Das "Weltmeisterensemble", das auf Einladung
der Wiener-Krakauer Kulturgesellschaft nach Wien kam, um auch am Sonntag
auf dem Kahlenberg aufzutreten, begeisterte das Publikum, das sich sehr
zahlreich vor der Bühne versammelt hatte. Besonders bewegend war der Teil,
der dem Erntedank gewidmet war. In dieser Szene trugen die Tänzer einen
meterhohen Ährenkranz auf die Bühne - ein wahres Kunstwerk. Danach wurde
das mitgebrachte geweihte Brot, das Meiserbäcker Cezary Sarzynski aus
Kazimierz Dolny mitgebracht hatte, von dem polnischen Gesandten, Mag.
Marek Rzeszotarski, in Empfang genommen und nach altpolnischer Sitte "gebrochen"
und zur "gerechten Aufteilung" an das Publikum weitergegeben.
Danach tanzte das Ensemble unter der Leitung von Frau Alicja Lejcyk-Kaminska
eine Reihe von Tänzen aus verschiedenen Regionen Polens. Das von der Musik
angelockte, immer zahlreicher zur Bühne strömende Publikum war begeistert
und wollte die Tänzer gar nicht mehr von der Bühne lassen. Doch auch die
anderen Länder haben das Beste aufgeboten, was sie zu bieten hatten: aus
Ungarn war das Ensemble BORICA BÁLINT SÁNDOR aus Szeged gekommen und präsentierte
Tänze aus Ungarn und Siebenbürgen in den jeweiligen Nationaltrachten -
alle feurig und temperamentvoll, wie wir das von Ungarn eben kennen. Danach
kam das slowenische Ensemble FRANCE MAROLT an die Reihe, das auch einen
breiten Bogen an slowenischen Tänzen und Traditionen präsentierte. Tschechien
entsandte das Ensemble DOUDLEBAN aus Doudleby aus Südböhmen - das Repertoire
dieser Gruppe besteht nur aus Traditionen und Bräuchen der eigenen Region,
die mit absoluter Genauigkeit gepflegt werden. Besonders stimmungsvoll
war auch hier die Erntedankszene, die ebenso wie die anderen Tänze in
alten Originaltrachten vorgetragen wurde. Herrlich waren auch die Trachten
der slowakischen Gruppe SLNECNICA: ein 120 Jahre altes besticktes Häubchen,
ein weißes Spitzenkleid - das Hochzeitskleid der Urgroßmutter, und vieles
andere mehr. Das Ensemble sieht sich als große Familie und konnte diesen
Eindruck vor allem auch bei der Erntedankszene besonders bewegend darstellen.
Zum Abschluss kam nochmals Polen auf die Bühne: die Warschauer Kapelle
"Kapela Rembertowska" war ein absoluter Hit: obwohl das Publikum
ja die höchst humorvollen polnischen Texte zum Großteil gar nicht verstand,
ging es, durch den wunderbaren Vortrag der Kapelle unter der Leitung von
Andrzej Kucharski mitgerissen, begeistert mit. Kinder tanzten auf der
Bühne und auch Direktor Pröll bat Liliana Niesielska zum "Tango Sejmowe",
um sich dann bei ihr auch für die Idee, für die Gesamtgestaltung und die
sechsstündige Moderation des Programms auf das herzlichste zu bedanken.
Einen
wesentlichen Bestandteil des Erntedankfestes bildete das "EU-Dorf",
wo die Kandidatenländer ihre kulinarischen Spezialitäten präsentierten
und das sehr regen Zuspruch genoss. Doch darüber dürfen wir morgen etwas
ausführlicher berichten. Man
kann jedenfalls ohne Übertreibung sagen, dass der Nachmittag ein voller
Erfolg war und auch dazu beitrug, die Österreicher und insbesondere die
Wiener ein bisschen mit den Traditionen der Nachbarländer bekannt zu machen
und dadurch das Verständnis füreinander und die Freundschaft untereinander
zu fördern. |